Todessehnsucht – Das Licht am Ende des Tunnels

Bereits Goethes Protagonist seines wohl berühmtesten Werks „Faust“ hatte eine Todessehnsucht in sich. Ein Verlangen, welches vielen Menschen nicht fremd ist:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält, in derber Liebeslust, Sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust Zu den Gefilden hoher Ahnen.
(Faust I, Vers 1112 1117)

Sigmund Freud konstatierte sogar jedem Menschen zwei Grundtriebe:
Den Lebenstrieb Eros, welcher nach der Erhaltung des Lebens greift, Fortpflanzung anstrebt und den Todestrieb Thanatos, den es nach der Auflösung aller Materie verlangt.

Viele Wissenschaften haben sich ausführlichst mit dieser Thematik beschäftigt. Zwei grundsätzliche Standpunkte sollen im Folgenden Erwähnung finden.

1) Psychologische Sichtweise zur Todessehnsucht

Todessehnsucht kann meist als Symptom für eine grundsätzliche Unzufriedenheit oder eine bestehende Krise gedeutet werden. Sind wir mit unserem Latein am Ende, sehen wir keine Aussicht mehr, dann scheint der Tod eine komfortable Lösung zu sein. Dies kann Menschen in jedweder Lebenslage betreffen: Eine Mutter, die nicht weiss, wie sie ihre Kinder ernähren soll. Ein Büroangestellter, der seinen Beruf hasst oder auch ein Milliardär, der alles hat und keinen Sinn mehr darin sieht, weiter zu machen.

Abgesehen davon, dass wir instinktiv davor scheuen, uns das Leben zu nehmen, lassen uns soziale, moralische und mitunter auch religiöse Gründe innehalten. Sei es Familie, die wir nicht zurücklassen wollen, eine grundsätzliche Ablehnung von Suizid in unserem sozialen Umfeld oder die Furcht vor Strafe aufgrund unseres Glaubens. Zumeist tritt der Gedanke nur kurzweilig auf, bei manchen einmalig, bei anderen öfter, wird aber nicht weiter gesponnen.

2) Philosophische Sichtweise zur Todessehnsucht

Die Philosophie sieht den Menschen von drei Grundtrieben bewegt: Hunger, Liebe und Eitelkeit. Diese drei haben allesamt das Potenzial tödlich zu enden, wenn sie uns in allzu grosser Masse fordern. Der Hunger, der nie satt werden kann, Liebe, die niemand zu stillen vermag und masslose Eitelkeit.

Doch für einen Philosophen selbst gibt es noch einen ehrenwerteren Grund, aus dem Leben scheiden zu wollen: der Trieb nach Erkenntnis. Ähnlich wie Goethes Faust, der trotz allem weltlichen Studiums nie satt werden kann an Wissen, so geht es auch uns. Warum sind wir hier? Was ist unsere Bestimmung? Wohin gehen wir?

Fragen, die Philosophen schon seit der Antike beschäftigen und doch nie zu einer befriedigenden Antwort führen. Das Ende des Weges ist Müdigkeit. Sowohl Müdigkeit aufgrund der Ernüchterung bzgl. der Begrenztheit menschlicher Erkenntnisfähigkeit als auch Müdigkeit ob eines langen Lebens. Beides kann zu dem Wunsch führen, loslassen zu dürfen. Die Einen, um im Tode doch noch die Antwort zu finden, die anderen, um Frieden zu finden von der Last des Diesseits. Beide Formen der Müdigkeit bewegen manche Menschen zum spirituellen Weg. Dem Versuch, auf geistigem Weg höhere Erkenntnis zu erlangen, nach Sinn zu streben. Gerade für suizidgefährdete Personen eine Möglichkeit, wieder einen Sinn für ihr Dasein zu finden.

Von der Todessehnsucht bis hin zum Selbstmord

Doch nicht alle Todessehnsüchtigen durchleben eine kurze Phase: Besonders im Falle ausgeprägter Depressionen oder sonstigen psychischen Krankheiten kann der Schritt zum Selbstmord näher sein, als Umstehende anzunehmen wagen. Der Psychiater Walter J. Pöldinger hat den Weg von der normalen Todessehnsucht bis hin zum Selbstmord wie folgt zusammengefasst:

  1. Stadium der Erwägung
    Selbstmord wird als mögliche Problemlösung angesehen. Hier befinden wir uns im Bereich der Todessehnsucht.
  2. Stadium der Abwägung
    In diesem Stadium treten häufig schon selbstverletzende Handlungen mit ein. Nicht selten wird der Suizid direkt oder indirekt angekündigt. Derartige Signale sollten niemals einfach abgetan werden.
  3. Stadium des Entschlusses
    Das tückische im Endstadium ist, dass der Betroffene wirkt, als hätte er sich beruhigt. Helfer ziehen sich in diesem Moment gerne zurück, gehen davon aus, alles wäre in Ordnung. Tatsächlich laufen hier im Hintergrund konkrete Vorbereitungen zur Ausführung des Selbstmords.

Was tun bei Todessehnsucht?

Im Normalfall reicht es aus, dem Betroffenen beizustehen. Gerade in Krisensituationen entwickeln Menschen häufig einen Tunnelblick, der sie bei der Lösungsfindung behindert. Aussenstehende können hier hilfreich sein, um eben diese in Kooperation mit dem Betroffenen zu eruieren.

Treten deutliche Symptome für eine Suizidgefährdung auf, gilt es, psychologische Hilfe einzuschalten. Im Extremfall verordnen Psychiater in diesem Fall die temporäre Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung. Dann ist es umso wichtiger, dem Betroffenen Beistand zu leisten. Längere Phasen allein sollten vermieden werden. Einsamkeit schürt suizidale Gedankengänge und treibt noch tiefer in die Depression.

Persönliche Erfahrungen zu Depression und Suizidgedanken

In meinem vierzigsten Lebensjahr blicke ich auf drei Depressionen zurück, gleichmässig verteilt auf die vergangenen 23 Jahre, die sich jeweils über eine Dauer von einigen Wochen erstreckten. Rückblickend kann ich leicht reden: Jede Depression war ein Geschenk des Universums und machte mich um eine wertvolle Erfahrung reicher. Sie ermöglichen mir, mich mit Betroffenen auszutauschen und positive Inspiration zu schenken. Meine erste Depression war die mühsamste, vergleichbar mit dem ersten Liebeskummer. Aus Mangel von Erfahrung weiss man bei der ersten Erfahrung nicht, wo die Reise hinführt. Ich insistierte damals bei meinem beratenden Psychotherapeuten auf die Aushändigung eines Antidepressiva-Rezepts. Die Einnahme eines so starken Medikaments war für mich eine unvergessliche aber eindrucksvolle Erfahrung.

Mit den Jahrzehnten lernte ich mich immer besser kennen und weiss heute, wie ich ein zu schwer gewordenes Herz wieder aufheitern und wie ich Licht in eine zu dunkel gewordene Seele lassen kann. Mit zunehmendem Beobachten verstand ich, wie die Gedeihung von Emotionen wie Hoffnung, Wärme und Liebe unterstützt wird. Wenn dann noch die Lebensenergie wieder in den Fluss gerät und sich das gesamte System mit Energie füllt, findet das Gegenteil einer Depression statt. Dem könnte man dann eher „Wolke 7“ sagen. Plötzlich haben weder depressive Gefühle noch derartige Gedanken Platz und ich fühle mich jeder noch so herausfordernden Lebenssituation geschaffen. Ausschliesslich mit einem solchen Licht und Liebe erfüllten Zustand gebe ich mich heute mehr zufrieden, und arbeite jeden Tag daran, diesen Zustand auszubauen und ihn als Normalzustand zu etablieren. Natürlich gelingt das nicht immer, aber immer öfter. Zu den dafür kennengelernten Methoden und Strategien, die bei mir immer wieder aufs Neue funktionieren, sind bereits einige neue Blogposts am entstehen. Diese Blogposts freuen sich auf eine Veröffentlichung auf dieser Website vom „Zentrum für Gesundheit“. Watch out 🙂 ….und abonniere Newsletter oder Social Media Kanäle, um meine Inspiration für Dich zu nutzen.

2 Kommentare zum “Todessehnsucht – Das Licht am Ende des Tunnels

  1. Ich habe gehört, dass 90% aller Menschen dieses Phänomen von Todessehnsucht persönlich und in verschiedensten Ausprägungen kennen. Es kann nicht schaden, sich darüber auszutauschen und einen gesunden Umgang damit zu gewinnen. Umso spannender, welche Themen hier noch folgen werden.

  2. Ich habe gehört, dass 90% aller Menschen dieses Phänomen von Todessehnsucht persönlich und in verschiedensten Ausprägungen kennen. Es kann nicht schaden, sich darüber auszutauschen und einen gesunden Umgang damit zu gewinnen. Umso spannender, welche Themen hier noch folgen werden.

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