Einführung in die medizinische Hypnose

Die medizinische Hypnose beschreibt ein kraftvolles Verfahren, um einen strukturierten und kontrollierten Zugang zum Unbewussten der Patient/Innen zu schaffen und dort positive Veränderungen zu bewirken. Sie ist eine der weltweit ältesten Behandlungsmethoden. Die heute am weitesten verbreitete Form der medizinischen Hypnose geht auf den Amerikanischen Psychiater Milton H. Erickson zurück. Im Gegensatz zu den bisher weit verbreiteten sehr unterschiedlichen direkten Hypnoseverfahren fand er einen indirekten und damit, längerfristig gesehen, wirkungsvolleren Zugang in das Unbewusste seiner Patient/Innen.

In der heutigen Zeit bekommt die medizinische Hypnose durch einige sehr bedeutende Stimmen neue Kraft und sie durchschreitet die Schwelle hin zu einem immer weiter verbreiteten Einsatz in der Schulmedizin und im Spitalalltag. So wird mit Beginn 2018 nun beispielsweise im Genfer Unispital die Hypnoseausbildung deutlich forciert und auf universitärer Ebene beispielsweise bei Endoskopien, Chemotherapien, MRI-Untersuchungen, oder Knochenmark-Punktionen erfolgreich eingesetzt. (siehe: https://www.medinside.ch/de/post/unispital-genf-will-hypnose-massiv-ausbauen)

Auch in Österreich wurde durch die Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Medizinische Hypnose (ÖGMH) eine universitätsnahe Interessensvertretung mit Hauptsitz an der Medizinischen Universität Graz ins Leben gerufen, die sich fortan um die korrekte Umsetzung der medizinischen Hypnose kümmert.

Ich lade Sie hier herzlich ein, sich mit dieser grossartigen Therapieform ein wenig vertrauter zu machen und entführe Sie in einige spannende Details zur medizinischen Hypnose.

Der Unterschied zwischen Hypnose und Trance

Was also ist nun eigentlich mit den Begriffen „Trance“, „hypnoid“ und „fokussierter Aufmerksamkeit“ gemeint?

Trance ist ein häufiges und bei allen Individuen auslösbares Phänomen – von der Gazelle bis zum Universitätsprofessor – jede/r ist trancefähig, die einen mehr, die anderen weniger, ganz nach persönlichen Fähigkeiten. Trance ist ein „physiologischer Reflex“, ein normaler Körperzustand also, der sich in unbestimmten Abständen, mehrmals täglich, ganz von selbst einstellt. Sie ist vergleichbar mit dem unwillkürlichen Blinzeln, welches erst dann bemerkt wird, wenn man darauf achtet. Dabei spielt der Wachheitszustand in diesen zeitlich sehr unterschiedlich langen Situationen keine Rolle. Beispiele zu physiologisch selbstablaufenden Trancezuständen sind die „Autofahrertrance,“ bzw. Trance während der Zugfahrt, beim Blick auf die Strasse und aus dem Fenster. Wichtig: automatisierte Vorgänge wie Schalten, betätigen von Gaspedal, Bremse und Kupplung laufen weiterhin ab. Es handelt sich um eine fokussierte Aufmerksamkeit – Details aus der Umgebung verschmelzen dadurch zu einem für das Bewusstsein informationslosen Strom aus gefilterten Reizen.

In der medizinischen Hypnose bezeichnet Trance aber vor allem einen nach innen gerichteten Aufmerksamkeitszustand, das Gefühl der angenehmen Entspannung und Freiheit, eine fokussierte Aufmerksamkeit auf das eigene Zentrum – sozusagen einen Zustand „wie zwischen Wach und Schlaf“ mit unterschiedlichen Ebenen, welche das Zeit- und Raumgefühl und die Selbstwahrnehmung stark verändern können.

Hypnose hingegen bezeichnet den VORGANG, um jemanden in Trance zu versetzen. Je nach Vorkenntnissen und Kreativität der Patient/Innen beschreibt dieser Vorgang unterschiedliche Induktionstechniken, welche strukturiert eine Trance induzieren, also einleiten können.

Durch die Hypnose können Verhaltensmuster des Unbewussten verändert werden und tief verankerte Strukturen und „Rahmen“ erhalten die Möglichkeit zur Erneuerung. Statt chronischem Stillstand wird Fortschritt und damit ein grosses therapeutisches Potential ermöglicht!

Es kann abschliessend gesagt werden, dass diese beiden Wahrnehmungsebenen, Bewusstes und Unbewusstes, in der medizinischen Hypnose tatsächlich als zwei getrennte „Personen“ angesprochen werden.

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dunst zu den Gefilden hoher Ahnen“.

Derartig lässt bereits Johann Wolfgang von Goethe seinen Doktor Faust meisterlich philosophieren und in der medizinischen Hypnose können wir mit dem Unbewussten der Patient/Innen arbeiten: Sie können die medizinische Hypnose und ihre grossartigen Kombinations- und Einsatzmöglichkeiten im Seminar „HYPNOSEplus“ an zwei Wochenenden erlernen.