Der Ansprechpartner in der medizinischen Hypnose: Das Unbewusste

Nachdem wir in unserem Blogbeitrag „Einführung in die medizinische Hypnose“ bereits auf die Unterschiede zwischen Hypnose und Trance eingegangen sind, lade ich Sie herzlich ein, im folgenden Blogbeitrag Ihr Wissen zum Thema Unbewusstes und Trancesprache etwas zu vertiefen.

Zunächst einige wichtige Punkte zum Unbewussten

Das Unbewusste verfügt über: eine eigene Sprache (Trancesprache -> siehe unten), eine eigene Logik (Verknüpfung von Argumenten und Satzbausteinen, Bilder, …etc.), eigene Vorstellungen und Wünsche (oft sehr konträr zu den Wünschen unseres bewussten Verstandes) und über eigene Zeichen, sogenannte Trancezeichen. Bezüglich der Trance-Induktion (der Einleitung in die Hypnose) gibt es eine interessante Verteilung innerhalb der Bevölkerung: 20-30% wenig suggestibel (Suggestibilität = Ausmass der Empfindlichkeit auf Metaphern, Bilder, Suggestionen), 40-60% mässig suggestibel und 20-30% sehr suggestibel.

Für die Suggestibilität gibt es unterschiedliche Test-Möglichkeiten und Showhypnotiseure wählen derart ihr „best-geeignetes“ Publikum aus. Hierzu ein Beispiel: beide Arme ausstrecken – sich vorstellen, dass Bücher darauf gelegt werden – dabei in Gedanken genüsslich in eine Zitrone beissen. Man erkennt in einer Gruppe hier sehr rasch, welche Menschen suggestibler sind, als die anderen. Solche Tests fördern den direkten Hypnose-Stil von Schnell-Induktionen und Show-Hypnosen. Ein sehr direktiver Zugang ist (wenn überhaupt) nur für Manager-Typen (Verkauf, „Maximierung“, grosse Worte), oder für Militärangehörige bzw. Polizisten geeignet. Besser für Patientin ist daher die indirekte Tranceinduktion nach Milton H. Erickson.

Einführung in die Trancesprache

1. Die Negation

Verneinendes spricht das Unbewusste an, es reagiert nicht adäquat und fokussiert sich auf den Rest des Satzes, welcher dann umso schwerer wiegt – ein Beispiel: Bei einem Patienten mit Nadelphobie mag es verlockend klingen, ihn mit Worten wie „das tut schon nicht weh“ oder „keine Angst, Sie werden keine Schmerzen spüren“ zu beruhigen. Das genaue Gegenteil erreicht aber direkt das Unbewusste und dringt tief ein: Der Fokus wird automatisch auf „das tut weh“ und „habe Sie Angst, sie werden Schmerzen spüren“  gerichtet.

Wir sollten also in unserer Trancesprache stets auf positive Formulierungen achten und uns bemühen, manche „Floskeln“ aus unserem Sprachgebrauch zu entfernen. Die positive Formulierung stärkt auch die Compliance zu den Patient/innen und ermöglicht einen zielgerichteten Fortschritt. Einige Satz-Beispiele zur Negation  finden Sie in der folgenden Tabelle – dem negativen Satzbeispiel wird immer ein „positiv formuliertes Beispiel“ entgegen gesetzt:

Negativ formuliert Positiv formuliert
Es tut nicht weh Es wird super sein
Sie brauchen keine Angst haben Angst ist bei uns sinnlos
Keine Sorgen Sorgen lassen wir zuhause
Es dauert nicht lange Es geht schnell
Es wird Ihnen nichts machen Sie schaffen das sicher
Das ist kein Problem Probleme lösen wir kompetent
Es kann nichts passieren Sie überstehen das bestimmt
Sie werden nicht sterben Alles wird gut
Sie werden schon nicht verbluten Wir achten auf alle Parameter
Die Narbe wird nicht zu sehen sein Die Haut wird sehr schön heilen
Das Medikament hat keine Nebenwirkungen Wir verschreiben Ihnen ein nebenwirkungsarmes Medikament
Gestern sahen Sie viel schlimmer aus! Heute sehen Sie schon viel besser aus!
Das darfst du nicht vergessen! Merk dir das!

 

Ein weiteres Beispiel dazu sind Kinder: Kinder lernen die Negation ca. mit dem 5. Lebensjahr und reagieren davor NICHT adäquat auf Verbote und „NICHT“-Formulierungen.  → „Du sollst doch NICHT durch die Pfütze fahren!“  …Besser wäre hier natürlich: „Fahr doch bitte um die Pfütze herum!“

Ein positiv formulierter Beispielssatz für Patienten könnte daher lauten: „Wenn Sie wüssten, wie schnell das vorbei geht, würden Sie ganz beruhigt sein…“

2. Offenes Formulieren

Das Ziel hierbei ist, etwas so frei zu beschreiben, dass sich niemand mit den eigenen Vorstellungen daran stösst (Beispiel: stellen Sie sich einen Sessel vor → wie unterschiedlich würden dazu die Sessel anderer Personen im Vergleich aussehen). Man versucht daher in der medizinischen Hypnose, Dinge so zu beschreiben und Worte zu finden, welche so breit sind, dass sie IMMER stimmen können. Versuchen Sie in der Trancesprache ganz bewusst viele Pausen zu schaffen, auch wenn es zuerst gekünstelt und seltsam wirkt! Seien Sie mutig, durchwegs immer wieder dieselben Dinge zu wiederholen, denn: Das Unbewusste versucht aus dem leeren Raum und den offenen Formulierungen etwas Eigenes zu generieren. Dies fördert den „kreativen Moment“

Beispiele für offenes Formulieren sind: „wenn es für dich in Ordnung ist“/„wenn es  für dich passt“, „früher oder später“, „manche Menschen“, „es kann sein…dass“, „Ganz auf deine Art“, „ein Bild, wie du es kennst“, „Vielleicht spürst du…“, „Sie sind so, wie sie sind“, „Genau so, wie du es gerade wahrnimmst“, „eine leichte Schwere oder eine schwere Leichtigkeit verspüren“ -> STATT: „deine Arme werden schwer!“, „du spürst…dass!“

Ein weiteres interessantes Beispiel zum Thema offenes Formulieren ist der FLUFF. Hierbei handelt es sich um leeres Gerede, welches Empfindungen auslöst, jedoch keine sachliche Aussage formuliert. Wir finden Fluff recht eindrucksvoll bei Politikern, in der Werbung, in Horoskopen. Ein Bürgermeister könnte zum Beispiel sagen: Wir werden in der genannten Causa zum gegebenen Zeitpunkt verbindlich werden!“ – und dabei mit schönen Worten keinen richtigen Inhalt vermitteln.

3. In der medizinischen Hypnose arbeiten wir mit Metaphern

Metaphern können durch ihre Botschaft in bildlicher Sprache sehr tiefe Aussagen vermitteln und Suggestionen können durch Metaphern an das Unbewusste herangetragen werden. Je nach Indikation oder Krankheitsbild gibt es fast unendlich viele Metaphern und der eigenen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Hier finden Sie ein paar Beispiele:

  • wie ein Blatt, das vom Baum fällt (loslassen)
  • wie eine Zwiebel, die Schale um Schale verliert (Abnehmen)
  • wie ein Luftballon können Gedanken davonfliegen so können Gedanken überflüssig werden (Induktion)
  • wie eine verrauchte Stadt wieder sauber wird (Rauchen)
  • wie ein Ast im Fluss (Veränderung)
  • schmilzt wie Schnee im Frühling (Neubeginn)
  • wie ein teurer Ferrari, der nicht geputzt wird (Zahnarzt)
  • wie ein Kaktus (= Trockenheit für Alkoholiker – kann auch ohne)

Zusammenfassend kann am Ende dieser Einführung in das Unbewusste und die Tracesprache gesagt warden, dass wir in der medizinischen Hypnose wir mit dem Unbewussten der Patient/Innen arbeiten können: Sie können die medizinische Hypnose und ihre grossartigen Kombinations- und Einsatzmöglichkeiten im Seminar „HYPNOSEplus“ an zwei Wochenenden erlernen.

Interessierte können sich im kostenlosen Webinar einen Überblick des Seminars verschaffen: