Blogpost-Reihe Heilpflanzen: Wermut

Sein lateinischer Name verrät es: Artemisia absinthium wurde lange Zeit für den berühmten französischen Likör Absinth verwendet. Doch Wermut als Heilpflanze ist wesentlich älter. Bereits die alten Römer wussten um die heilsame Wirkung des bitteren Krauts. Heute kennen wir Wermut als natürliches Heilmittel bei zahlreichen Problemen rund um den Verdauungstrakt, besonders der Gallenblase. Doch Wermut kann noch mehr.

Wirkung der Heilpflanze Wermut

Wermut enthält die verschiedensten ätherischen Öle, zum Beispiel das bittere Absinthin. Zusammen sorgen sie für den positiven Effekt auf das menschliche Verdauungssystem. Die Wirkung erstreckt sich dabei auf mehrere Organe und beruht auf der Anregung von Verdauungssäften. Diesen Säften kommt beim Verdauen gesteigerte Bedeutung zu: Nur, wenn hier alles funktioniert, kann der Körper alle wichtigen Nährstoffe aus der Nahrung auch verwerten.

Gallensaft enthält Säuren, die später im Dünndarm die Fettverdauung anregen. Wer damit schon einmal Probleme hatte, kennt die unangenehmen Begleiterscheinungen: Blähungen, Krämpfe oder auch Fettstuhl nach fettreichem Essen. Wermut hilft: Er unterstützt nicht nur die Produktion von Verdauungssäften, sondern wirkt auch krampflösend.

Zusammengefasst zeichnet sich Wermut durch folgende Wirkungen auf den menschlichen Körper aus:

  • Wirkt fiebersenkend, schweisstreibend
  • Fördert die Verdauung und den Stoffwechsel
  • Steigert Wohlbefinden und Appetit
  • Wirkt menstruationsauslösend, wehenfördernd

Ein Einblick in die Geschichte der Heilpflanze Wermut

Ob „Wiegenkraut“ oder Absinth: Über die Jahrhunderte geriet Wermut nie ganz in Vergessenheit. Allerdings wurden dem bitteren Kraut mal mehr, mal weniger heilsame Wirkungen zugeschrieben. So war es bereits im alten Ägypten bekannt, hier vor allem als Wurmkur. Davon zeugt bis heute sein Name: Er stammt vom altenglischen „Wermod“, das heisst soviel wie „Wurmholz“.

Die alten Römer wiederum glaubten, dass Wermut böse Dämonen austreibe. Auch gegen einen kräftigen Kater sollte das Kraut helfen. Deshalb wurde es damals gerne in den Trinkwein gemischt. Dazu trug auch bei, dass sich die ätherischen Öle am besten in Hochprozentigem lösen. Eine nicht unwesentliche Verwendung fand Wermut zudem als Liebestrank.

Seit dem Mittelalter bis weit in die Neuzeit hinein galt Wermut somit als bittere, aber hochwirksame Pflanze. Erst im 19. Jahrhundert etablierte sich Absinth als starkes geistiges Getränk, welches vor allem in Künstlerkreisen Verbreitung fand. Der Grund lag in der fantasieanregenden Wirkung von Wermut. Zahlreiche Kunstwerke der Zeit zeugen von den negativen Folgen der „Grünen Fee“, etwa Picassos „Die Absinthtrinkerin“. Fälle von Erblindung wurden ebenso berichtet wie Fälle von Abhängigkeit, welche den Betreffenden unaufhaltsam ins Verderben stürzten. Heute nimmt man zwar an, dass einige der extremsten Folgen des Genusses auf Alkohol schlechter Qualität zurückzuführen waren. Dennoch darf Thujon als Nervengift nicht unterschätzt werden – Näheres dazu unten.

Lange war somit nicht klar, woran die mal positive, mal negative Wirkung bei dieser Pflanze lag. Deshalb erliessen nahezu alle europäischen Länder bald Verbote von Absinth. Mittlerweile weiss die Forschung aber mehr: Zwei bis drei Tassen Wermuttee pro Tag verträgt der Körper problemlos. Lediglich eine längere Anwendung über mehr als sechs Wochen wird nicht empfohlen.

Wermut-Rezept – praktische Nutzung als Aufguss

Übergiesse für eine Tasse Aufguss einen halben bis ganzen Teelöffel Wermutkraut mit kochendem Wasser. Lasse das Ganze ungefähr fünf Minuten ziehen. Seihe das Kraut ab. Trinke den Aufguss ein- bis dreimal täglich vor den Mahlzeiten.

Anwendungshinweis: Der Thujongehalt im Wermut ist in dieser Konzentration unschädlich. Bei Schwangerschaft, während der Stillzeit sowie bei Magen- oder Darmgeschwüren soll Wermut jedoch nicht konsumiert werden!

Wo ist Wermut erhältlich?

Die Wirkung von Wermut steckt im Wermutkraut, welches in unterschiedlichster Form bei Kräuterspezialisten erhältlich ist. Natürlich kannst du das Kraut auch selbst sammeln: Wermut ist ein enger Verwandter von Beifuss (artimisia vulgaris). Wie dieser wächst er gut auf felsigem Untergrund. Man findet ihn nur unterhalb von 1000 Metern. Aber die Pflanze lässt sich leicht im eigenen Garten nachziehen. Erntezeit ist von Juni bis September, die blühenden Spitzen sollten locker zum Trocken aufgehängt werden.

Vorsicht vor Thujon

Thujonhaltige Kräuter müssen mit Vorsicht genossen werden. Geniesst man mehr davon, kann Thujon überaus schädlich sein. Wermut enthält das thujonhaltige Öl „Oleum Absinthi“. Es wirkt in hohen Dosen toxisch auf das menschliche Nervensystem.

Bitterstoffe an sich sind jedoch nichts Schädliches. Im Gegenteil: Sie helfen bei zahlreichen kleineren und grösseren Beschwerden. So regen sie nicht nur Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse an. Im Ergebnis reduzieren sie unter anderem Verdauungsprobleme wie etwa Blähungen. Regt man die Magensäfte an, wird zudem das Helicobacter pylori bekämpft, das für Magengeschwüre verantwortlich gemacht wird. Positiver Nebeneffekt ist zudem die gesteigerte Verwertung von Nährstoffen.

Wermut gegen Alzheimer?

Neben zahlreichen anderen Wirkungen stärkt Wermut auch das Erinnerungsvermögen. Das wusste bereits Hippokrates: Er empfahl Patienten das Kraut gegen Vergesslichkeit. Neuere Forschungen bestätigen dies. Bei einem Experiment mit Alzheimerkranken kam es nach Inhalation von Extrakten der Pflanze zu erheblichen Verbesserungen im Gedächtnis der Probanden.

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