Blogpost-Reihe Heilpflanzen: Thymian

Die Gewürz- und Heilpflanze Thymian ist ein vielseitiger Allrounder. Bei Thymian denken die meisten Menschen erst einmal an das Gewürz, aber das würde seinen vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten nicht gerecht werden. Er verfeinert nicht nur die Speisen, sondern wirkt als Heilpflanze bei den unterschiedlichsten Beschwerden. Da er durch seine antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften eine heilende Wirkung auf Lunge und Bronchien hat, wurde er sogar zur „Heilpflanze des Jahres 2006“ gekürt.

Die Geschichte des Thymians (Thymus vulgaris L.)

Nach Aufzeichnungen in sumerischer Keilschrift war Thymian bereits 2000 v. Chr. als Heilpflanze bekannt.

Grosse Ärzte der griechischen Antike wie Hippokrates und Dioskurides verwendeten das „Hustenkraut“ bei Erkrankungen der Atemwege, hauptsächlich als auswurfförderndes Mittel. Pedanios Dioskurides empfahl Thymian zudem bei Asthma, Verschleimungen in Rachen und Magen sowie bei Bandwürmern. Er verfasste Materia Medica, das aus fünf Büchern bestehende antike Werk über Arzneimittel.

Von Gaius Plinius Secundus Maior, der auch Plinius der Ältere genannt wurde und der von 23 n. Chr. – 79 n. Chr. lebte, ist überliefert, dass er eine Thymianart als Heilmittel gegen Schlangenbisse und Skorpion-Stiche eingesetzt hatte.

Es gibt mehrere Annahmen zum Ursprung der Bezeichnung Thymian. Naheliegend wäre, dass das Wort abgeleitet wurde vom griechischen thyein (räuchern) oder von thymiama (Räucherwerk). Den Namen verdankt die Gewürz- und Arzneipflanze wahrscheinlich ihrem ätherischen Öl, das ein intensives Aroma verströmt.

Den Aromaträger und Hauptwirkstoff im ätherischen Öl, das Thymol, entdeckte man erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Es aktiviert die Schleim abtransportierenden Härchen in den Bronchien, fördert die Hautdurchblutung und wirkt antiseptisch gegen Bakterien, Pilze und Viren.

Wissenswertes

Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), ebenso wie Basilikum, Lavendel, Majoran, Pfefferminze, Rosmarin und Salbei. Kleine Öl-Drüsen, die sich auf seinen silbrig-grünen Blättern befinden, enthalten die medizinisch wirksamen ätherischen Öle. In Arzneimitteln verwendeter Thymian stammt zum grössten Teil aus in Deutschland kultivierten Pflanzen. Weitere nennenswerte Anbaugebiete sind Südfrankreich, Spanien, Italien und die nordafrikanischen Länder.

Der mehrjährige Thymian liebt es sonnig. Ansonsten ist er sehr genügsam. Ihm reicht ein karger, lehmig-sandiger Standort. Während der Blüte- und Erntezeit – zwischen Mai und Oktober – werden die lila und rosa Blüten von vielen Insekten besucht. Besonders die Bienenvölker fühlen sich von ihrem Duft angezogen. Die Bienen nehmen mit dem Nektar und den Pollen auch die ätherischen Öle auf, die zur Gesunderhaltung ihres Bienenstocks beitragen.

Thymian unterstützt das Immunsystem durch seine im ätherischen Öl enthaltenen Hauptinhaltsstoffe:

  • Thymol und Carvacrol (antioxidativ, entzündungshemmend und antibakteriell)
  • Flavonoide und Bitterstoffe (immunstimulierend)
  • Saponine (schleimlösend)
  • Gerbstoffe (entzündungshemmend)

Anwendungsbereiche

Im Jahr 2007 konnten Mediziner aus München nachweisen, dass Thymian im Darm spezielle, die Darmtätigkeit lenkende, Zellen mobilisiert. Diese sogenannten Sensorzellen verfügen über Duftrezeptoren und reagieren auf das Thymian-Öl mit dem Ausschütten von Serotonin. Als Folge wird die Verdauungstätigkeit angekurbelt, was zum Beispiel nach einer fettreichen Mahlzeit sehr entlastend sein kann.

Thymol, das ätherische Öl des Thymians, hemmt das Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen. Es gehört deshalb zu den wichtigsten Mitteln gegen Husten, Erkältungskrankheiten und Bronchitis. Laut einer Studie mit chronisch an Bronchitis erkrankten Patienten am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg konnte festgestellt werden, dass Thymian (als Saft) den Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege fördert.

Von der etablierten Medizin anerkannt, ist die innerliche Anwendung bei Katarrhen der oberen Atemwege, Bronchitis und Keuchhusten. Klinische Studien haben gezeigt, dass Thymian-Öl – örtlich begrenzt angewendet – geeignet ist, Herpesinfektionen zu behandeln. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut und bei Mundgeruch helfen Spülungen mit Thymian-Tee.

Die Naturheilkunde empfiehlt zudem die äusserliche Anwendung als Unterstützung bei rheumatischen Beschwerden und Hauptproblemen.

In Form einer Aromatherapie hilft das Öl gegen Schmerzen, Erschöpfungszustände, Depressionen und Hautkrankheiten.

Thymianpräparate

Thymianpräparate sind in Apotheken, Naturkostläden, Drogerien und im Onlinehandel erhältlich. Sie werden in verschiedenen Ausführungen angeboten:

  • In Kapselform als reines Pulver oder in Nahrungsergänzungsmitteln mit Öl-Inhalt
  • In kleinen Flaschen, als Tropfen
  • Als Frischpflanzensaft, Sirup, Bonbons
  • Als Bestandteil von Säften, in Teebeuteln
  • Als offene Ware in Apotheken, in Salben, Mundpflegeprodukten, Bade- und Waschzusätzen

Die mediterrane Gewürzpflanze in der Küche

Unter Zugabe von Thymian werden fettreiche Fleischgerichte leichter verdaulich.

Als Zutat der Kräutermischung „Herbes de Provence“ verfeinert er mit Majoran, Oregano, und Rosmarin Saucen, Suppen und Salate. Der Name der Kräutermischung zeigt schon, dass das Thymiangewürz in der französischen Küche nicht fehlen darf.

Für Zeitgenossen, die es eher vegetarisch mögen oder wenn es mal schnell gehen soll, sind Thymiankartoffeln – Brat- oder Ofenkartoffeln – mit Salat eine leckere Alternative.

Thymian-Öl-Likör zur Verdauungsförderung

Du kannst Thymian-Öl-Likör relativ einfach selbst herstellen. Gebe in einen Liter hochprozentigen Korn oder Wodka 50 g Thymiankraut und stelle den Ansatz für vier Tage an einen warmen, hellen Ort. Wenn die vier Tage vorüber sind, das Thymiankraut herausfiltern und den Alkohol mit einer Zuckerlösung – 250 g Zucker auf einen halben Liter Wasser – vermischen. Diese Mischung noch für einige Wochen in dunklen Flaschen ruhen lassen. Fertig ist der Verdauungslikör.

Thymian-Tee

Ein Teelöffel Thymiankraut mit einer Tasse (150 ml) siedendem Wasser übergiessen, 10 bis 15 Minuten bedeckt ziehen lassen und die Pflanzenteile abseihen. Mit Zugabe von Honig lindert er Hustenbeschwerden. Davon täglich 3 bis 4 Tassen trinken.

Wichtige Hinweise: Thymian-Öl sollte:

  • Nicht in konzentrierter Form angewendet werden. Es könnte die Schleimhäute zu stark reizen und zu Herzrasen bis zum Kreislaufkollaps führen.
  • Nicht bei Babys und Kleinkindern zu nahe an Mund und Nase verwendet werden. Es könnte sonst zu erschwertem Atmen mit sogar lebensbedrohlichen Folgen kommen.
  • Nicht dauerhaft in Form von Bädern oder grossflächigen Einreibungen angewendet werden, da das Thymol stärkere Hautreaktionen wie Brennen und extreme Rötung hervorrufen kann.
  • Während der Schwangerschaft und der Stillzeit nur nach ärztlichem Rat angewendet werden.
  • Nicht verwendet werden bei Überempfindlichkeit gegenüber Lippenblütlern.

Bei der Behandlung mit Salbe solltest du ebenfalls vorsichtig sein. Die Haut von Babys und empfindlichen Menschen könnte mit starken Hautrötungen und sogar Brandblasen reagieren.

Prinzipiell gilt: Verhaltensinformationen in diesem Blogpost ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.